Länder entlang der Transsibirischen Eisenbahn

Über 10 000 Kilometer liegen zwischen Deutschland und Hong Kong. Die Transsibirische beziehungsweise transmongolische Eisenbahn führt von Rußland über die Mongolei nach China. Für die Anreise auf dem Landweg sind ferner Polen und Weißrußland zu durchqueren. Eine empfehlenswerte Alternative ist der Weg über die baltischen Staaten. In jedem Land gelten eigene Regeln - zwischenmenschlich und politisch.

Polen

Allgemeines: Polen gehört zu den ersten Beitrittskandidaten der EU-Osterweiterung. Dementsprechend sind die Umstände im Land vergleichbar mit anderen europäischen Ländern. Zugtickets sind etwas billiger als in Deutschland. Das besonders günstige Twenticket/BIJ (für Jugendliche bis 26 Jahre) gibt es jedoch nur für grenzüberschreitende Fahrten. Entgegen der weit verbreiteten Annahme ist der Kauf in Polen daher nicht günstiger! Russische Sprachkenntnisse helfen oft weiter, sind aber nicht zwingend Vorraussetzung.
Visa: Deutsche Staatsbürger benötigen lediglich einen noch mindestens sechs Monate gültigen Reisepaß zur Einreise nach Polen.
Grenze: Die Grenzer sind allgemein freundlich und sprechen in aller Regel Deutsch oder Englisch. Auch an den Ostgrenzen haben wir keine schlechten Erfahrungen machen müssen
Impfungen: Seuchen oder ähnliches sind in Europa nicht zu erwarten.

Weißrußland

Allgemeines: Weißrußland verbündet sich sehr stark mit Rußland. Das Staatssystem wird im Allgemeinen als noch korrupter beschrieben. Im Umgang mit Westeuropäern ist dies deutlich zu spüren. Wir empfehlen, das Land zu meiden.
Visa: Russische Visa sind seit Sommer 2000 nicht mehr in Weißrußland gültig! Auch für kurze Transitaufenthalte müssen 60 Dollar in Warschau, Berlin oder Moskau berappt werden.
Grenze: Die Grenzer sprechen nur Russisch und teilen auch nur Russische Grenzformulare aus. (Wörterbuch empfehlenswert.) Reisende ohne Visa werden unfreundlich aus dem Zug geholt und wenig später abgewiesen. Bestechungsversuche glücken nach unseren Informationen nur sehr selten und mit viel Geld. Die Grenze zu Russland ist weitestgehend unbewacht, es gibt keine Kontrollen. Wer von Moskau aus ohne Visum reist wird erst kurz vor Polen abgefangen ... und dennoch zurück nach Russland geschickt!
Impfungen: Ein langer Aufenthalt im Land bietet keinerlei Reize. Für Transitreisen sind keine Impfungen notwendig.

Baltische Staaten

Trakai Castle Allgemeines: Alle drei Länder streben den Beitritt zur EU an. Der Lebensstandard der Städte ist beachtlich hoch. Unterschiede zu Polen und Tschechien sind nicht bemerkbar. Fast alle Einwohner sind der russischen Sprache mächtig, an wichtigen Orten wird auch Englisch gesprochen. Aufgrund der schlechten Erfahrungen in Weißrußland raten wir dringend zum Umweg über das Baltikum.
Visa: Deutsche Staatsangehörige reisen in allen drei Ländern visafrei. Reisepass genügt.
Grenze: Unsere Grenzer waren ausgesprochen freundlich. Wer aus Vilnius mit dem Schnellzug nach St. Petersburg fährt, wird nur im Bahnhof von Vilnius sowie an der Russischen Grenze kontrolliert - Estland und Lettland werden als Transitländer ohne Kontrollen durchquert.
Impfungen: Seuchen oder ähnliches sind in Europa nicht zu erwarten.

Rußland

Basilius-Kathedrale Moskau Allgemeines: In Rußland ist noch immer die Zeit stehen geblieben. Willkür ist Gang und Gäbe. Überall ist mit höheren Preisen für Touristen zu rechnen. Englisch oder Deutsch wird kaum gesprochen. Ohne Sprachkenntnisse wird es außerhalb von Moskau, St. Petersburg und Irkutsk schwierig. Russische Gastfreundschaft hingegen ist gerade außerhalb der Städte zu spüren.
Visa: Für ein russisches Visum (45 Euro in Berlin) ist eine amtlich beglaubigte Einladung oder eine gebuchte Reise vorzuweisen. Viele Reisebüros stellen Buchungsbestätigungen für 50 Euro oder mehr aus. Oftmals verlangen sie dafür jedoch die Buchung der Zugtickets über ihr Unternehmen. Eine der wenigen uns bekannten Ausnahmen ist Troika-Travel in Berlin und Dresden. Nach Ankunft in Rußland ist des weiteren eine Hotelbestätigung einzuholen. Meist gibt es diese für umgerechnet einige Euro an der Rezeption der ersten Herberge. (Nicht vernachlässigen, später wird oft danach gefragt!) Unter Umständen kann man eine Russland-Reise auch mit dem Besuch an einer Hochschule koppeln (Sprachkurs, ...) - so wird die Visabesorgung einfacher, da die Uni eine offizielle Einladung ausstellen kann.
Grenze: Russische Grenzer sind freundlicher als ihnen nachgesagt wird. Oftmals werden Fremdsprachen beherrscht. Auch die Visaformulare gibt es auf Wunsch in Englisch. Oftmals wird nach einer Krankenversicherung gefragt. Um Unannehmlichkeiten zu vermeiden, ist dringend ein Nachweis mitzunehmen. Offiziell gibt es eine Beschränkung auf 50 bestimmte Versicherungsunternehmen, nähere Informationen erteilt die Botschaft (
Links).
Impfungen: Rund um den Baikalsee wird Tollwut empfohlen. Wir haben jedoch keine wilden oder streunenden Tiere zu Gesicht bekommen. Typhus und Hepatitis A, B sowie eine Zeckenimpfung sind empfehlenswert.

Mongolei

Zug hinter Ulan Bator Allgemeines: Das Land in der Steppe hat sich in den letzten Jahren für Touristen geöffnet. Reisen sind vollkommen unproblematisch. In Ulan Bator wird oft Englisch gesprochen. Der alte Mittelstand beherrscht Russisch, wenige ehemalige Gastarbeiter auch Sächsisch. (DDR-Sprachausbildung in Leipzig.)
Visa: Die Berliner Botschaft bearbeitet Visawünsche ausgesprochen schnell. Paß und 25 Euro einschicken, eine Woche warten, fertig.
Grenze: Die Grenzer sprechen selten Fremdsprachen und teilen oftmals nur mongolische Formulare aus.
Impfungen: Typhus und Hepatitis A, B sind empfehlenswert.

China

Li River Allgemeines: Touristen bringen Geld und werden dementsprechend behandelt. Auch ohne chinesische Sprachkenntnisse ist eine Reise durch das Land möglich, Sprachführer vorausgesetzt.
Visa: Visa für bis zu drei Monate gibt es in den Botschaften und Konsulaten. Leider werden keine Briefe mit Pässen angenommen. Jedoch können Freunde das Formular, 15 Euro und den Reisepass in Berlin abgeben und -holen. Die Bearbeitungszeit ist vier Tage, wer es eilig hat, zahlt 30 Euro mehr. Informationen per Telefon gibt es nur unter 0190 ..., die Botschaft ist aber auch im Internet (
Links).
Grenze: Wir mußten bei der Gesichtskontrolle aufstehen und 30 Sekunden stillhalten. Keine weiteren Vorkommnisse.
Impfungen: Typhus und Hepatitis A, B sind empfehlenswert.

Hong Kong

Skyline Allgemeines: Für die ehemals britische Kolonie gelten noch immer eigene Regeln. Die Stadt wirkt wie eine Mischung aus England und China. Finanziell sind leider gehobene europäische Maßstäbe anzusetzen! Ein Liter Milch kostete bei unserem Besuch umgerechnet drei Euro.
Visa: Europäer reisen visafrei.
Grenze: Chinesische Beamte bearbeiten nach europäischen Maßstäben. Obwohl es also nichts zu machen gibt, dauert es ewig.
Impfungen: Trotz tropischer Verhältnisse ist keine Malariaprophylaxe notwendig.